Offene Briefe – Mainz für Kino https://mainz-fuer-kino.de Zum Erhalt der Kinokultur in Mainz Wed, 11 Dec 2024 13:02:06 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.5 https://i0.wp.com/mainz-fuer-kino.de/wp-content/uploads/2023/06/cropped-Logo.png?fit=32%2C32&ssl=1 Offene Briefe – Mainz für Kino https://mainz-fuer-kino.de 32 32 220839451 Kulturetat stellt Palatinbau infrage https://mainz-fuer-kino.de/offener-brief/kulturetat-stellt-palatinbau-infrage/ https://mainz-fuer-kino.de/offener-brief/kulturetat-stellt-palatinbau-infrage/#respond Wed, 11 Dec 2024 13:02:03 +0000 https://mainz-fuer-kino.de/?p=450 Liebe Bürger*innen, liebe Nachbarn, liebe Mainzer,

mit Schrecken und Sorge verfolgen wir die Pressemeldungen zur aktuellen Haushaltsdebatte der Stadt Mainz, welche weitereichende Kürzungen im Bereich Soziales und Kultur vorsehen.

Wir erinnern daran, dass die Stadt im Sommer dieses Jahres sich selbst öffentlich gefeiert hat, das Capitol-Kino gerettet zu haben. Auch die Pläne, im Neubau des ehem. Palatin-Kino drei weitere Säle bauen zu lassen und diese an den Kinobetreiber zu vermieten, wurden bejubelt. So wurde im Koalitionsvertrag festgehalten, dass die „Realisierung eines weiteren Programmkinos innerhalb der nächsten drei Jahre angestrebt wird.“

Das weitere Kino ist zwingend notwendig und ist auch eine essentielle Bedingung für den Pächter des Capitols, da sich ein Ein-Saal-Kino auf Dauer nicht alleine halten lässt. Sollte sich die Stadt also wirklich aus der Finanzierung weiterer Säle im Palatin zurückziehen ist davon auszugehen, dass auch das Capitol Kino wieder wird schließen müssen. Das wäre schockierend und erniedrigend für die Bürger*innen der Stadt Mainz und einer Landeshauptstadt, die sich Medienstandort nennt nicht würdig!

Wir appellieren daher an Sie und Euch alle, wenn Sie und ihr das Kino lieben und nicht darauf verzichten wollen: schreibt eine Mail an den Oberbürgermeister Nino Haase, an den Finanzdezernent Günter Beck und oder an alle Stadtratsmitglieder bzw. den Kulturausschuss der Stadt Mainz und bringen Sie Ihren und ihr euren Unmut über die geplanten Kürzungen zum Ausdruck!

Kommt auch gerne persönlich zur Stadtratssitzung am Montag, 16. Dezember 2024 um 15 Uhr im Kurfürstlichen Schloss in der Peter-Altmeier-Allee 9, 55116 Mainz.

Schützt unser Kino, schätzt unsere Kultur!

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Offener Brief #3 (13.04.2023) https://mainz-fuer-kino.de/offener-brief/nummer-2/ https://mainz-fuer-kino.de/offener-brief/nummer-2/#comments Thu, 13 Apr 2023 16:26:00 +0000 https://mainz-fuer-kino.de/?p=277 Sehr geehrte Frau Grosse,
sehr geehrter Herr Haase,
sehr geehrte Fraktionsvorsitzenden der SPD, FDP und GRÜNE,

liebe Kinobesucher*innen der Stadt Mainz,

Die Bau- und Kulturdezernentin der Stadt Mainz, Marianne Grosse (SPD), durfte mich bereits in vielen, teils kräftezehrenden, Gesprächen persönlich kennenlernen, doch die Meisten von Ihnen kennen mein Gesicht vermutlich aus dem CAPITOL&PALATIN. Ich arbeite seit 2015 in den beiden Mainzer Programmkinos, zunächst neben dem Studium, schließlich seit 2018 festangestellt dicht an der Seite der beiden Betreiber Jochen Seehuber und Eduard Zeiler. Die beiden Kinos sind seit beinahe 8 Jahren der Nabel meiner Welt, beruflich und privat.

Ich muss wohl nicht darauf eingehen, wie tief mich das baldige Ende trifft, bis zum 28. Oktober ist es nicht mehr lang.

Nun melden sich verschiedene Stimmen, ganz voran die der Bau- und Kulturdezernentin, jedoch auch die unseres neuen Oberbürgermeisters Nino Haase (parteilos) und die Stimmen der Fraktionsvorsitzenden unserer Ampelkoalition Sylvia Köbler-Gross (GRÜNE), Jana Schmöller (SPD) und David Dietz (FDP). Jede*r von Ihnen zeigt sich überrascht und bestürzt über die plötzliche und angeblich ohne Angaben von Gründen beschlossene Schließung meiner beiden Vorgesetzten. Doch verfolgt man die Stellungnahmen, gibt es vermeintlich keinen Grund des Bedauerns, denn die Stadt beweist großen Tatendrang und rettet mit großem Elan die beiden letzten Programmkinos, während die beiden Betreiber dies anscheinend nicht länger wollten.

So beobachte ich jetzt zum zweiten Mal, wie meine beiden Vorgesetzten und ich uns an die geforderte Verschwiegenheitserklärung unserer gemeinsamen Gespräche mit Frau Grosse hielten, während sie gegenüber der Presse und ihren politischen Kolleg*innen ein Bild vermittelt, welches sich weder mit meiner Wahrnehmung deckt, noch mit den Protokollen, die ich während der letzten gemeinsamen und nach Lösungen suchenden Gesprächen schreiben durfte. Im Verlauf dieser Gespräche habe ich nun sehr deutlich erlebt, wie nicht zugehört wurde. Denn meine Vorgesetzten haben Frau Grosse bereits im November sehr genau erklärt, warum sie noch vor dem angekündigten Abriss Anfang 2024 schließen müssen. Es ist eine existenzielle Frage: Niemand mit klarem Verstand verlängert Versicherungs- und Wartungsverträge in sechsstelliger Höhe und Laufzeiten, die über die Zeit des Abrisses des Gebäudes gehen, ohne die Perspektive, anfallende Investitions- und Überbrückungskosten für den Zeitraum der Bauzeit wieder erwirtschaften zu können, weil man das neue Kino vielleicht nie betreiben darf. Wer geht freiwillig in einen möglichen Ruin? Denn bisher gibt es keine Ausschreibung mit Bedingungen, auf die man sich hätte bewerben dürfen. Und so konnten meine Vorgesetzten die für den Kinobetrieb essenziellen Verträge nicht verlängern und müssen folgerichtig Ende Oktober schließen.

So darf ich mich mehr als wundern, wie nun zwei Menschen öffentlich an den Pranger gestellt werden und man sich erzählt, sie würden aus freien Stücken gehen, wo sie alles darangesetzt haben, die beiden Kinos zu retten, obwohl ihnen wissentlich jeglicher Spielraum durch die immer noch fehlende Ausschreibung verwehrt blieb.

Mit einem Bein im Kino, einem zweiten Bein in der Initiative Mainz für Kino und einem Arm Richtung Politik und Kulturdezernat rudernd, fiel es mir im letzten halben Jahr oft sehr schwer alle Körperteile beisammenzuhalten und nicht über die verschiedenen Interessenkonflikte zu stolpern. Zu gern hätte ich in der Initiative mein Verschwiegenheitsversprechen an Frau Grosse gebrochen und geplaudert, wenn sie wieder einmal öffentlich erklärt hat, alle Probleme seien beseitigt. Zu gern wäre ich am 17. Januar im Kulturausschuss, als sich beinahe alle Anwesenden vor Glück über den Beschluss zur Rettung der Mainzer Kinostandorte in die Arme fielen, aufgestanden und hätte auf die zahlreichen Probleme hingewiesen, welche Frau Grosse anscheinend nicht für erwähnenswert hielt. Es war hart danach von verschiedenen Politiker*innen, die mit Sicherheit mit den besten Absichten auf mich zugekommen sind, gefragt zu werden, ob ich zufrieden bin.

So möchte ich die Frage an dieser Stelle endlich mit aller Deutlichkeit beantworten: Nein, ich bin nicht zufrieden, ich bin hochgradig unzufrieden.

In Vergangenheit, als noch die kleine Hoffnung auf Rettung bestand, durfte ich die Frage nicht beantworten, weil es erfordert hätte, meine Unzufriedenheit zu erklären. Doch das durfte ich nicht, da Frau Grosse die Gespräche mit uns unter strikter Verschwiegenheit geführt hat. Also wie äußert man sich, wenn man nicht erklären darf, wieso? Wie kann man einer Kulturdezernentin widersprechen, wenn man nicht sprechen darf und Angst hat, sich bei der kleinsten Spur von Auflehnung die letzte Hoffnung auf eine Lösung zu verbauen? Ganz nach dem Motto: Wer zu laut ist und zu viel will, bekommt am Ende nichts. Meinem Verständnis nach entspricht diese Vorgehensweise nicht der von Frau Grosse öffentlich versprochenen Transparenz.

Das entscheidende Problem ist, dass dort, wo nicht gesprochen werden darf, keine tragfähigen Lösungen gefunden werden können. Wenn es dann am Ende nicht klappt, kann man wie jetzt sagen, nichts von den Problemen geahnt zu haben, und dennoch das Bestmögliche möglich gemacht zu haben.

Sollte es in einigen Jahren wieder ein Programmkino in Mainz geben, dann wäre dies den vielen Menschen zu verdanken, die sich ehrenamtlich eingesetzt haben das CAPITOL&PALATIN zu retten. Allen voran meinen beiden Vorgesetzten, die bis zum Schluss gekämpft haben und uns 14 Jahre lang eine Programmvielfalt boten, wie sie in Deutschland nur selten zu finden ist. Auch wäre es der Initiative Mainz für Kino, welche vor zweieinhalb Jahren von Jan Peschel gegründet wurde, zu verdanken und natürlich ganz besonders jeder einzelnen Person, die noch immer nicht nachgibt. Denn gerettet ist noch lange nichts. Mit viel Glück kann noch immer etwas Schönes entstehen, die Möglichkeiten sind da, und ich wünsche mir sehr, dass dies gelingt, auch wenn wir nicht mehr Teil davon sein können.

Frau Grosse, es erstaunt mich sehr, dass Sie sich an die Inhalte meiner Protokolle, deren Sie ausdrücklich zugestimmt haben, nicht erinnern können. Bei allen Unterschiedlichkeiten denke ich doch, dass Sie ihre Position aufgrund ihrer Kompetenzen bekleiden und so muss ich mich fragen, was Ihre Motive sein könnten, wissentlich falsche Nachrichten in der Presse zu verbreiten. Was würden Sie in meinem Fall denken?

Ich bin traurig, wütend und betroffen, und es scheint so zu wirken, als ob ich nun aufgebe. Aber nein. Ich bleibe auch weiterhin in der Initiative Mainz für Kino und entsprechend werden wir uns zwar in einem etwas anderem, aber nahem Kontext auch künftig wiedersehen und dann erwarte ich, dass wir unsere persönlichen Befindlichkeiten begraben und fair und professionell miteinander umgehen.

Und so möchte ich am Ende viel Glück wünschen:
Viel Glück, Frau Grosse, dass Ihnen die Märchen und zauberhaften Luftschlösser nicht auf die Füße fallen und dass sich tatsächlich Betreiber*innen finden werden, die ein ebenso liebevolles Gespür für das Mainzer Publikum und ein vielfältiges Programm aufweisen wie meine Vorgesetzten. Und viel Glück, dass Sie Recht behalten und es genügt, die reichste Stadt Deutschlands geworden zu sein und sich alles kaufen zu können, was man will – selbst, um mich Ihren Worten zu bedienen, ein Kino mit Strahlkraft, weit über die Stadtgrenzen hinaus.
Und viel Glück an die Bewohner*innen der Stadt Mainz, dass die verlockenden Versprechen von Frau Grosse eingehalten werden und am Ende nicht doch „Andere“ am Versagen die Schuld tragen. Dass das FILMZ – Festival des deutschen Kinos, das CAPITOL und das PALATIN wirklich gerettet sind.
Viel Glück an die anderen Kulturschaffenden in Mainz, die sich Tag für Tag abmühen, ihren Raum nicht genauso zu verlieren, oder neuen Raum suchen müssen, die ebenso immer wieder in schweren Verhandlungen und Abhängigkeiten zum Kulturdezernat stehen und das alles nur, weil ihnen die Kultur wirklich am Herzen liegt. Ich wünsche Mainz, der potenziellen Kulturhauptstadt Europas, dass das bisschen schwer erkämpfte Kulturangebot, das noch übrig ist, nicht ebenfalls nach und nach verschwindet.
Viel Glück Mainz, viel Glück und alles Gute.

Ich wünsche mir sehr, dass alles passiert wie von Frau Grosse versprochen, ich wünsche mir sehr, dass unsere Bemühungen der letzten Jahre trotz der Schließung Ende Oktober nicht umsonst gewesen sind und ich hoffe inständig, dass die Bürger*innen von Mainz erkennen können, dass das Narrativ der Presse von einer perfekten kulturinteressierten Stadt und von zwei beleidigten, unwilligen Kinobetreibern, welche in harten Zeiten einfach aufgeben, nicht der Wahrheit entspricht.

Dies war ein kurzer Ausflug in meine Trauer und meine Enttäuschung.
Ich verbeuge mich tief vor der engagierten Arbeit von Jochen Seehuber und Eduard Zeiler und bedanke mich, für die wahnsinnig schöne Zeit, die ich durch sie erleben durfte.
Ohne sie hätte die Landeshauptstadt Mainz längst keine Programmkinos mehr, die man bald vermissen könnte und es hätte bereits 2009 sehr leise ausgesehen für die Lichtspielhäuser der stolzen Medienstadt.

Für unsere treuen Kinobesucher*innen und (Stand jetzt ) 28.724 Unterstützer*innen: Wir sehen uns noch bis Oktober im Kino!
Haltet die Ohren steif und feiert das CAPITOL&PALATIN, solange es geht.

Kira-Naema Lörwald

Mainz, den 13.April 2023

Link zu einer Petition: Capitol & Palatin erhalten! 

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Offener Brief #2 (23.11.2022)* https://mainz-fuer-kino.de/offener-brief/testbeitrag/ https://mainz-fuer-kino.de/offener-brief/testbeitrag/#respond Wed, 23 Nov 2022 16:25:00 +0000 https://mainz-fuer-kino.de/?p=275 Sehr geehrte Frau Marianne Grosse, 

eine erste Stellungnahme der Stadt Mainz lässt schon vermuten, dass Gespräche mit den Betreibern von CAPITOL & PALATIN wohl nicht „auf Augenhöhe“ liefen. Es ist eine Tatsache, dass sich Ihre Worte seit Jahren(!) als Bau- und Kulturdezernentin unverhältnismäßig zu Ihren Taten verhalten. Der Verlust des größten Kinosaals des Rhein-Main-Gebiets mit dem Residenz & Prinzess ist eine offenkundige Konsequenz daraus.

Es reicht nicht aus, sich bei Veranstaltungen, unter anderem des von der Stadt Mainz geförderten FILMZ – Festival des deutschen Kinos, auf die Bühne zu stellen und von Ihrer „Liebe“ zum Kino zu erzählen, wenn der Ort für die Magie und Entfaltung des Films mit den roten Schuhen der Dorothy aus WIZARD OF OZ – die sie so gerne bei Eröffnungen tragen und auf diese hinweisen – und mit Füßen zu treten.

Ich rate Ihnen: Gehen Sie doch mal in die Mainzer Programmkinos, Filme wie TRIANGLE OF SADNESS ziehen täglich viele Besucher*innen an, bringen zum Lachen, zum Nachdenken und bieten Gesprächsstoff für die Minuten und Stunden nach dem Fall des Vorhangs. Sehen Sie doch mit eigenen Augen, hören Sie mit eigenen Ohren und fühlen Sie mit all Ihren Sinnen, dass gut gemachtes Kino, zigfach ausgezeichnetes Kino sich nicht verabschieden wird.

Kino hat Zukunft – überzeugen Sie sich selbst.

Und alle OB-Kandidatinnen und Kandidaten der „dynamischsten Stadt Deutschlands“ möchte ich bitten, sich diesem Thema anzunehmen – ich freue mich auf Ihre Perspektiven.
Manuela Matz, Martin Malcherek, Christian Viering, Marc Engelmann, Nino Haase, Mareike von Jungenfeld und Lukas Haker.

Ich freue mich auf Ihre Antworten,

gez. Jan Peschel


* In den vergangenen Monaten haben sich Kinobetreiber, die neuen Eigentümer und Vertreter*innen der Landeshauptstadt Mainz wiederholt zusammengesetzt. Als mögliche Lösung wurde die Idee eines Mainzer „Filmhauses“ ins Spiel gebracht, in dem gewerblich betriebene Programmkinos gemeinsam unter einem Dach mit dem kommunalen Kino der Stadt Mainz „CinéMayence“ ein Zentrum für Kinokultur in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt errichten. Diese Idee scheint nun in abgespeckter Form und – so lässt es befürchten – halbherzig vorangetrieben zu werden, vor allem aber ohne klaren Zukunftsplan. Daraufhin wendeten sich die Mainzer Programmkinobetreiber mit einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit. Diese ist im Sensor-Artikel im Wortlaut zu lesen: https://sensor-magazin.de/capitol-und-palatin-betreiber-wollen-hinschmeissen/

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Offener Brief #1 (19.08.2021) https://mainz-fuer-kino.de/offener-brief/offener-brief-1-19-08-2021/ https://mainz-fuer-kino.de/offener-brief/offener-brief-1-19-08-2021/#respond Thu, 19 Aug 2021 16:55:00 +0000 https://mainz-fuer-kino.de/?p=286